Ratgeber · Verfahren und Technik

Hochdruck oder wenig Druck bei der Dachreinigung

Was ein Strahl an einer Ziegeldeckung tut, warum wenig Druck länger dauert und an welcher Stelle das Mittel mehr entscheidet als der Druck.

Ein Ziegeldach ist eine Lage aus einzelnen Teilen, die sich gegenseitig überdecken, und keine geschlossene Fläche. Ein harter Strahl trägt den Bewuchs oben ab und drückt Wasser zugleich unter diese Überdeckungen. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks nennt genau diesen Weg in seinem Faktenblatt zur Dachbeschichtung: Wo mit hohem Druck und ohne Mittel gearbeitet werde, presse der Strahl Wasser durch die Überdeckungen ins Gebäude. Eine Dachreinigung ohne Hochdruck vermeidet diesen Weg und braucht dafür mehr Zeit auf der Fläche.

Den Bewuchs tief in den Ritzen erreicht ohnehin kein Strahl, unabhängig vom Druck. Dafür sorgt das Mittel, das danach aufgesprüht wird. Dieser Text vergleicht zwei Arbeitsweisen und keine Firmen, und er nennt auch die Fälle, in denen die Frage nach dem Druck an Ihrem Dach die falsche erste Frage ist.

Deckungsaufbau

Was hoher Druck an einer Ziegeldeckung macht

Ziegel und Betondachsteine liegen in Reihen auf der Lattung, und jede Reihe überdeckt die darunter. Je nach Form greifen die Ränder zusätzlich ineinander. Diese Überdeckungen und Verfalzungen sind der Grund, warum ein Dach den Regen abhält, und sie sind zugleich die Stellen, an denen sich Wasser in die falsche Richtung schieben lässt.

Das Papier, aus dem dieser Einwand stammt, ist ein Faktenblatt des Dachdeckerverbands aus dem Dezember 2018. Sein Thema ist die Beschichtung von Dachziegeln und Dachsteinen, nicht die Reinigung. Der hohe Druck kommt darin in dem Absatz vor, der von den Umweltfolgen handelt. Der Schlusssatz lautet, Hochdruckreinigen oder Beschichten von Dachziegeln oder Dachsteinen seien nicht nötig und kaum dazu geeignet, eine Dachdeckung zu verbessern.

Dieser Schlusssatz richtet sich auch gegen uns. Der Verband hält die Reinigung für entbehrlich, nicht bloß eine bestimmte Art davon, und er vertritt einen Berufsstand, dessen Mitglieder Dächer neu eindecken. Beides gehört dazu, wenn man das Papier liest. An der Beobachtung dahinter ändert es nichts: Wasser, das unter eine Überdeckung gedrückt wird, folgt dort nicht mehr dem Weg, für den die Deckung gebaut ist.

Dachfläche aus Betondachsteinen mit hellen Flechtenpunkten, Drohnenaufnahme während der Reinigung
Betondachsteine wie hier: Die hellen Punkte sind Flechten, die in der Oberfläche sitzen. Wie viel Druck diese Oberfläche verträgt, ist die Frage dieses Textes.

Zeitaufwand

Warum wenig Druck länger dauert

Ein Strahl löst Bewuchs über die Energie, die er auf eine Fläche bringt. Wer Druck herausnimmt, senkt diese Energie, und dieselbe Fläche braucht dann mehr Durchgänge und mehr Zeit. Die längere Arbeitszeit ist damit die Bedingung des Verfahrens und kein Nebeneffekt.

Dazu kommt der zweite Teil der Arbeit. Nach dem Strahl wird ein Algizid aufgesprüht, und danach muss die Fläche vollständig abtrocknen, bevor überhaupt etwas darauf aufgetragen wird. Wie lange das dauert, bestimmt das Wetter.

Ein Betrieb, der an einem Vormittag fertig ist, arbeitet deshalb nicht automatisch schlechter. Er hat eine andere Rechnung aufgemacht und Tempo gegen mechanische Belastung getauscht. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt an der Deckung, auf der er steht.

Reinigung einer Dachfläche mit der Lanze, Drohnenaufnahme
Die Fläche wird bahnweise abgearbeitet. Je weniger Druck, desto häufiger muss dieselbe Stelle überfahren werden.

Reichweite

Was in den Ritzen sitzt, holt kein Strahl heraus

Moos, Algen und Flechten sitzen nicht nur oben auf den Steinen. Ein Teil davon steckt in den Ritzen zwischen den Reihen und in den feinen Netzen, die der Bewuchs auf der Oberfläche bildet. Dorthin kommt kein Strahl, gleich wie viel Druck dahintersteht. Ein Strahl räumt, was er trifft.

Deshalb gehört zu jeder Reinigung ein Mittel, das nach dem Strahl auf die Fläche kommt. Das Algizid erreicht den Rest, an den der Strahl nicht herankommt, und dieser Rest ist der Ausgangspunkt für den nächsten Bewuchs.

Damit fällt ein Argument in sich zusammen, das oft als Qualitätsmerkmal verkauft wird. Der Vorteil kommt an dieser Stelle vom Mittel und nicht vom niedrigen Druck. Ein Betrieb, der mit hohem Druck arbeitet, kann anschließend dasselbe Präparat aufsprühen und steht in diesem Punkt genauso da. „Ohne Hochdruck“ sagt etwas über die mechanische Belastung Ihrer Deckung. Über den Bewuchs in den Ritzen sagt es nichts.

Es sind zwei getrennte Fragen, die häufig als eine angeboten werden: Wie stark wird die Deckung belastet, und wird überhaupt ein Mittel eingesetzt. Die erste beantwortet der Druck. Die zweite beantwortet er nicht.

Gegenposition ZVDH

Der Einwand, der uns selbst trifft

Dasselbe Faktenblatt, das den hohen Druck kritisiert, kritisiert im selben Absatz die chemische Reinigung. Der Verband rät aus Umweltschutzgründen davon ab, weil Reinigungsmittel über die Dachentwässerung in die Kanalisation gelangen und bei Regenwassersammlung auf Pflanzen und Erdreich. Dieser Satz steht direkt neben dem über den hohen Druck, und er trifft nicht den Wettbewerb, sondern den Kern des hier beschriebenen Verfahrens.

Wer das Mittel zum Kern seines Verfahrens erklärt, wie dieser Text es tut, kann den einen Satz zitieren und den nächsten nicht überblättern. Eine bequeme Antwort darauf steht hier nicht.

Was Sie stattdessen tun können: Stellen Sie jedem Anbieter drei Fragen, uns eingeschlossen. Wer darauf keine konkrete Auskunft gibt, hat sie vermutlich noch nie gestellt bekommen.

  • Welches Präparat kommt auf mein Dach?

  • Ist es als Biozidprodukt zugelassen?

  • Wohin geht das Wasser, das während der Arbeit vom Dach abläuft?

Fallunterscheidung

Wann hoher Druck vertretbar ist, und wann die Druckfrage nicht mehr zählt

Hoher Druck ist ein Werkzeug und kein Fehler. Der Einwand des Verbands hängt an der Bauart der Fläche: Er setzt eine Deckung voraus, deren Teile einander überlappen. Wo eine Fläche durchgehend ist und das Wasser nur nach außen ablaufen kann, gibt es den Weg nach innen nicht, um den es dabei geht. Entscheidend ist, was die Fläche mit dem Wasser macht, das nicht sofort abläuft.

Neben der Bauart zählen zwei Dinge, die man einer Deckung von der Straße aus nicht ansieht. Das erste ist der Zustand. Sitzt ein Stein lose oder ist er gerissen, verschiebt sich die Frage. Dann geht es nicht mehr um Druck, sondern um die Deckung selbst, und die gehört in die Hand eines Dachdeckerbetriebs, bevor jemand mit Wasser darauf zugeht.

Das zweite ist das Material. Ein Tondachziegel bekommt seine Farbe beim Brennen. Ein Betondachstein trägt sie als Schicht auf dem Stein. Was ein harter Strahl mit dieser Schicht anstellt, hängt davon ab, wie viel von ihr nach den Jahren noch da ist. Auf einem alten Betondach gehört diese Frage vor die Reinigung und nicht danach.

Welches Verfahren passt, entscheidet also die Fläche und nicht das Etikett auf der Anzeige.

Grenzen

Was wenig Druck nicht besser macht

Die schonende Arbeitsweise hat vier Grenzen, und sie gehören in denselben Text wie ihre Vorteile. Die erste: Sie dauert länger. Zwischen Reinigung und Abschluss liegt eine Trocknung, deren Dauer das Wetter bestimmt, und an nassen Wochen steht der Auftrag still.

Die zweite: Sie verlangt Nähe zur Fläche. Wir arbeiten deshalb auf der Dachfläche, und zwar abgesichert.

Die dritte: Sie hält keinen neuen Bewuchs auf. Ein Dach steht draußen, und Sporen kommen mit dem Wind. Und die vierte: Sie repariert nichts. Wo eine Deckung Schaden hat, ändert die Wahl des Verfahrens daran nichts.

Wie der Ablauf nach dem Strahl weitergeht, mit Algizid, Trocknung und dem Abschluss darauf, steht ausführlich auf unserer Seite zur Dachreinigung.

Häufige Fragen zu Hochdruck und Niederdruck

Schadet Hochdruck einem Ziegeldach?

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks beschreibt in seinem Faktenblatt zur Dachbeschichtung einen konkreten Weg: Ein Strahl ohne Mittel presse Wasser durch die Überdeckungen ins Gebäude. Ob es an einem bestimmten Dach dazu kommt, hängt an Bauart, Zustand und Führung des Strahls. Als allgemeine Aussage bleibt: Eine Ziegeldeckung ist auf ablaufendes Wasser ausgelegt und nicht auf Wasser, das gegen sie gedrückt wird.

Was bedeutet Softwash?

Der Begriff beschreibt im Sprachgebrauch der Branche die Kombination aus wenig Druck und einem Reinigungsmittel. Eine verbindliche Definition, an der Sie sich orientieren könnten, ist uns nicht bekannt. Wer das Wort verwendet, sagt damit noch nicht, mit welchem Druck er arbeitet und welches Mittel er einsetzt. Beides lässt sich einzeln erfragen.

Mit wie viel bar arbeiten Sie?

Eine Zahl steht hier nicht, weil sie allein nichts aussagt. Was an der Oberfläche ankommt, hängt neben dem Druck an der Düse, am Wasserdurchsatz und am Abstand zur Fläche. Zwei Geräte mit derselben Angabe können sich am Ziegel unterschiedlich verhalten. Wer zwei Angebote nebeneinanderlegt, kommt mit dieser einen Zahl deshalb nicht weit.

Wird das Dach beim Reinigen betreten?

Bei uns ja. Ein Strahl verliert mit dem Abstand an Wirkung, und wer den Druck herausnimmt, muss deshalb näher an die Fläche. Bei einem Schrägdach geht das nur von der Deckung aus. Wir arbeiten dort abgesichert. Wenig Druck verlagert den Aufwand damit auf zwei Dinge: auf die Zeit und auf die Nähe zur Fläche.

Ist ein Anbieter ohne Hochdruck automatisch der bessere?

Nein. Die Angabe beschreibt eine mechanische Entscheidung und sonst nichts. Sie sagt nicht, ob überhaupt ein Mittel gegen den Bewuchs eingesetzt wird, und ohne das bleibt der Befall in den Ritzen sitzen. Fragen Sie nach beidem: nach der Arbeitsweise auf der Fläche und nach dem, was danach daraufkommt.

Bleibt ein Dach nach der schonenden Reinigung länger sauber?

Der Druck allein entscheidet das nicht. Wie schnell eine Fläche wieder zuwächst, hängt daran, wie viel Befall in den Ritzen überlebt hat, und dort wirkt das Mittel und nicht der Strahl. Dazu kommt die Umgebung: wie viel Schatten auf der Fläche liegt und wie schnell sie nach Regen abtrocknet. Einen Zeitraum nennen wir dazu nicht.

Gilt das auch für Flachdächer, Blech oder Bitumen?

Nicht ohne Weiteres. Der Einwand gegen hohen Druck gilt einer Deckung aus überdeckenden Einzelteilen, also Ziegeln und Betondachsteinen. Eine durchgehende Dachhaut aus Blech, Bitumen oder Folie verhält sich anders, und was auf ihr möglich ist, entscheiden das Material und sein Zustand. Eine pauschale Antwort für alle Dachhäute gibt es nicht.

Ist das Mittel gegen den Bewuchs ein Umweltproblem?

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks rät in seinem Faktenblatt zur Dachbeschichtung aus Umweltschutzgründen auch von der chemischen Reinigung einer Dachfläche ab. Als Weg nennt er die Dachentwässerung in die Kanalisation und, bei Regenwassersammlung, Pflanzen und Erdreich. Wer ein Angebot prüft, fragt deshalb sinnvollerweise nach der Zulassung des Präparats als Biozidprodukt und danach, wohin das ablaufende Wasser geht.

Was am Ende zählt

Der Druck entscheidet, wie stark die Deckung mechanisch belastet wird. Das Mittel entscheidet, was von dem Bewuchs übrig bleibt. Wer nur nach dem Druck fragt, bekommt die halbe Antwort. An einem Ziegeldach spricht die Bauart für wenig Druck, und so arbeiten wir. Zur besseren Wahl auf jeder Fläche macht es das Verfahren damit nicht.

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